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SOKRATIK
Was ist Sokratik? Was ist Sokratische Philosophie? Was ist Philosophie überhaupt?
Vorab: Dort, wo von Philosophien gesprochen wird, ist die Philosophie, wirkliche Philosophie, entweder noch gar nicht geboren oder ohnehin bereits gestorben. Philosophien gibt es genauso wenig wie es Mathematiken, Geographien oder Physiken gibt. Und dort, wo man sich unter dem Deckmantel besonderer Einsicht in die Pluralität flüchtet, dient diese stets der scheinheiligen Durchsetzung und Rechtfertigung einer selbstsüchtigen Dogmatik, dem Entzug aus der Diskussion, dem Entzug aus der Verantwortung.
Philosophie ist sowohl dem Wort als auch dem Sinn nach: die Liebe zu Wissen und Weisheit, vor allem die aufrichtige Suche nach Weisheit und wirklichem Wissen. Aber was ist wirkliches Wissen? Wirkliches Wissen ist ein Wissen, das nachvollziehbar, überprüfbar und haltbar ist, d.h. sachlich unanfechtbar begründet werden kann. Daraus folgt: Wer etwas zu wissen behauptet, muss über dieses Wissen auch Rede und Antwort stehen können. Er muss das, was er behauptet, auch begründen können.
Damit ist Philosophie die Suche nach der Begründung. – Und was soll begründet werden? Die gewusste Sache, über die gesprochen wird? – Nein! Das vertretene Wissen selbst muss begründet werden.
Und damit ist Philosophie letztlich nichts anderes als und ausschließlich die Suche nach der Begründung des eigenen Wissens.
Diese Suche nach der Begründung des eigenen Wissens kennzeichnet eine erhöhte Lebensqualität: das philosophische Leben, das Leben im Bewusstsein seines Selbst, das Leben in der Selbsterkenntnis.
Aber finden wir diese Suche in dem, was uns als Philosophie begegnet? - Nur selten. Meistens ist von Selbstreflexion nicht einmal eine Spur zu finden. Erst recht nicht in den vielfältigen Aufwertungsversuchen von Belanglosigkeiten, die sich mit dem Namen der Wissenschaft Philosophie einen gerechtfertigten Anstrich verleihen wollen. (Beispiele kann jeder im eigenen Leben zur Genüge finden: Von Ernährungs- oder Bekleidungsphilosophie über nur sogenannte Unternehmens oder Wirtschaftsphilosophie bis zur Philosophie des Zähneputzens oder dessen, was bestenfalls danach noch kommen kann.)
Dieser ausschweifende Missbrauch des Namens ist kein Fehler der Philosophie, die sich gegen diesen Missbrauch ihrer Werte nicht wehren kann. Es ist ein Fehler derer, die zu wissen glauben, ohne jedoch weise zu sein.
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